Cornelia G., 1964, Feldbach


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Im Frühling 2001 morgens um 4 Uhr glaubte ich zu sterben.

Ich wollte gerade einschlafen, lag auf der linken Seite, als mich plötzlich Herzrasen, Schweissausbrüche und Atemnot aus dem Bett trieben. Voller Panik weckte ich meinen Mann, der 5 Monate zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatte, um mich in die Notaufnahme des Waid-Spitals zu bringen. Dort wurde sofort ein EKG gemacht, das aber keine schlechten Ergebnisse zeigte. Mit zwei Beruhigungstabletten wurde ich wieder nachhause geschickt.

Ich war verunsichert. Drei Tage später, am Sonntag um die Mittagszeit erlebte ich die nächste Attacke. Während meiner Arbeit im Restaurant! Ich ging in die Küche um Kurt um Hilfe zu bitten.

Er rief sofort den Krankenwagen, der mich 10 Minuten später wieder in die Notaufnahme brachte. Beim EKG wieder kein Befund. Ich war völlig verunsichert und schämte mich, so ein Tam-Tam veranstaltet zu haben. Nun traten die Attacken immer häufiger auf. Ich getraute mich aber nicht mehr, einen Arzt um Hilfe zu bitten. Ich lief jeweils in der Wohnung umher, versuchte mich mit lesen oder Fernsehen abzulenken. Manchmal sass ich weinend auf dem Bettrand und wünschte mir nur noch, endlich zu sterben, damit diese Qual ein Ende hat. Mein Mann war eine grosse Hilfe. Er ist mit mir mitten in der Nacht spazieren gegangen, hat mich in Gespräche verwickelt oder einfach nur in den Arm genommen. Ich habe mich immer mehr zurückgezogen, hatte Angst inmitten unserer Gäste einen Anfall zu bekommen und einfach tot umzufallen. Durch Zufall hat eine liebe Bekannte von meinem Problem gehört. Sofort hat sie mir die Telefonnummer von Dr. Hättenschwiler gegeben. Einem Psychiater ! Ich hätte nie geglaubt, einmal die Hilfe eines „Seelenklempners“ zu benötigen, ich stehe doch mit beiden Beinen auf der Erde! Doch mittlerweile hatten mich die Attacken dermassen zermürbt, dass ich diesen Strohhalm ergriff.

Zum Glück! Beim ersten Gespräch erfuhr ich, dass ich nicht die einzige mit diesem Problem war. Es gibt sogar einen Namen für diese Anfälle. Und das Beste: ich war nicht verrückt!

Zu meiner Beruhigung wurde ich zuerst körperlich durchgecheckt. Alles O.K. !
Anfangs war ich dreimal pro Woche in der Gesprächstherapie. Mit Antidepressiva und, für den Notfall, Beruhigungstabletten war ich ausgerüstet.

Seit 2 Jahren kann ich nun ohne Gesprächstherapie leben. Ich nehme täglich eine Cymbalta-Tablette. Ab und zu klopft meine Angst noch an. Ich bin aber in der Lage, einfach mit tiefen Atemzügen die beginnende Attacke abzuwehren.
Ich habe mein Leben wieder voll im Griff!