Jürg D., 1944, Zürich


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Ich darf für das ZADZ ein Testimonial schreiben. Es eilt natürlich und ich stehe vor der Abreise in ein Kloster im Burgund. Meine Frau ist zu ihrer Schwester nach Indien verreist. Vor 3 Monaten wäre dies für mich Horror gewesen, ohne meine Frau zu existieren, geschweige denn nach Frankreich zu reisen, ganz allein! Ich hätte gar nicht die Tatkraft gehabt und wäre entschlussunfähig gewesen. Meine Erkrankung ist ein ewiges Auf und Ab. Angefangen hat es vor 20 Jahren. Ich arbeitete in einem künstlerischen Betrieb, dauernd unter Hochdruck, meistens keine Zeit zum Essen, zu viel Kaffee, arbeiten bis spät in die Nacht. Eines Tages merkte ich, dass ich nicht mehr in der Lage war zu telefonieren. Ich konnte buchstäblich den Hörer nicht mehr abheben. Ich sass zitternd in meinem Büro und war wie gelähmt. Ich fürchtete, meinen Mitarbeiterinnen im Nebenzimmer würde es auffallen, dass ich nicht mehr funktionierte. In den nächsten Tagen konnte ich kaum mehr das Gebäude erreichen, oft versteckte ich mich in den Gängen im Keller. Schliesslich konnte ich die Wohnung nicht mehr verlassen. Meine Hausärztin schickte mich in eine Klinik nach Arlesheim. Dort begann meine Wanderung durch Kliniken und Spitäler, bis ich in der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli (PUK) landete.

Es gab Zeiten, da ging es mir gut und ich konnte arbeiten. Aber dann kamen manische Phasen, die sich in einem übersteigerten Selbstgefühl auswirkten, ich gab sehr viel Geld aus. Ich schrieb pausenlos Projekte. Ich schlief nicht mehr und fuhr mit meinem Dienstwagen völlig übernächtigt in der Schweiz herum, im Bemühen, wichtige Persönlichkeiten von meinen „Projekten“ zu überzeugen. Ich war wie eine Kerze, die an 2 Enden brannte. Schliesslich kam es  zum grossen Unfall. Zum Glück wurde niemand verletzt, aber drei Autos waren futsch.

Ich kam in die PUK und lernte dort den Arzt kennen, der mich bis heute im ZADZ betreut. Ich habe zwar immer wieder Abstürze, Nebenwirkungen, aber es gelingt meinem Arzt immer wieder aufs Neue, die Medikamente sorgfältig einzustellen, sodass ich nachts schlafen kann und die grauen Depressionsängste anderntags verschwunden sind.

Mein Selbstwertgefühl erholt sich, ich nehme wieder das Telefon ab und auch meine Beziehung zu Gott fängt wieder an zu blühen.